Kästner

 

Gezeigt wird die wahre Geschichte einer Freundschaft, zwischen dem deutschen Schriftsteller Erich Kästner (1899-1974) und Hans Albrecht Löhr (1922-1942), der 1931 als Neunjähriger für seine Filmrolle als „kleiner Dienstag“ in der Erstverfilmung von Erich Kästners Roman „Emil und die Detektive“ bekannt wurde. Der Film zeigt das Leben Erich Kästners in den Jahren 1929 bis 1945.

Erich Kästner wurde am 23. Februar 1899 in Dresden geboren. Seine Eltern waren der Sattlermeister Emil Richard Kästner (1867-1957) und Ida Kästner, geborene Augustin (1871-1951), die zunächst als Dienstmädchen und später als Friseurin arbeitete. Zu seiner Mutter hatte Erich eine sehr enge Bindung.

Ab 1913 besucht Erich Kästner die Schule in Dresden, das Freiherrlich von Fletschersches Lehrerseminar. Seine Ausbildung zum Volksschullehrer brach er jedoch kurz vor dem Ende ab. 1917 folgte die Einberufung zum Militär. Hier wurde eine Herzschwäche diagnostiziert, eine Krankheit die ihn sein ganzes Leben begleiten sollte. Nach dem Ende des Krieges absolviert er das Strehlener Lehrerseminar und macht sein Abitur mit Auszeichnung.

Danach ging er nach Leipzig und studiert an der Universität Leipzig, Geschichte, Philosophie, Germanistik und Theaterwissenschaft. Erich Kästner schrieb Geschichten und Gedichte. Ab 1927 lebt er in Berlin. 1929 erscheint sein erstes Kinderbuch, der Roman „Emil und die Detektive“, 1931 „Pünktchen und Anton“, im Jahr 1933 folgt „Das fliegende Klassenzimmer“ und „Das doppelte Lottchen“ erschien 1949. Sein Buch Emil und die Detektive wurde 1931 von Gerhard Lamprecht verfilmt.

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde Erich Kästner mehrfach von der Gestapo verhört. Seine Bücher wurden während der Bücherverbrennung 1933 vernichtet. Während seine Schriftsteller-Kollegen das Land verließen, blieb er in Deutschland. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs zog er nach München. Hier verstarb Erich Kästner am 29. Juli 1974.

Hans Albrecht Löhr wurde am 29. Mai 1922 in Berlin geboren. Nachdem Erich Kästner sein Buch Emil und die Detektive veröffentlicht hatte, schrieb er ihm einen Brief über das Buch. Er teilte ihm mit, er habe sämtliche Schauplätze des Romans in Berlin angeschaut. So wurde Kästner auf den Jungen aufmerksam und es entwickelte sich eine Freundschaft und später die Rolle als „kleiner Dienstag“ in der Verfilmung des Romans. Während Erich Kästner den Krieg überlebte, wurde Hans Albrecht Löhr zur Wehrmacht einberufen und starb im August 1942 als Soldat an der Ostfront.

 

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Andreas Schlüter

Der Film beruht auf dem Leben des Baumeisters Andreas Schlüter (1659-1714), einem deutschen Bildhauer und Architekt. Er war einer der bedeutendsten Künstler des Barock und machte Berlin zu einer Königsstadt.

Andreas Schlüter wurde am 13. Juli 1659 in Danzig geboren. Die Eltern waren der Bildhauer Wilhelm Schlüter und Regina Schlüter. Über sein Leben ist nur wenig bekannt. Seine Ausbildung erhielt er in Danzig bei dem Bildhauer David Christoph Saporius. Andreas Schlüter heiratet Anna Elisabeth Spangenberg und das Paar bekommt mehrere Kinder.

Als Bildhauer und Stuckateur arbeitet er am Königlichen Palast in Wilanów, dieser von 1677 bis 1679 von Augustyn Wincenty Locci (1640-1732), einem polnischen Architekten italienischer Abstammung, erbaut wurde. Der Palast wurde im Auftrag von König Johann III. Sobieski (1629-1696) errichtet. Außerdem war Andreas Schlüter am Bau der Königlichen Kapelle an der Marienkirche in Danzig, der Kathedralbasilika der Himmelfahrt der Allerheiligen Jungfrau Maria, beteiligt.

Möglich das auch die Giebelreliefs am Palais des Grafen Krasiński in Warschau von ihm stammen. Am Krasiński-Palast führte Andreas Schlüter die Innendekoration aus, insbesondere Reliefs, die die Heldentaten des römischen Patriziers Marcus Valerius darstellen. Auch als Bildhauer machte er sich einen Namen.

1694 wurde Andreas Schlüter zum Hofbildhauer des Königs Friedrich I. (1657-1713), dem ersten preußischen König, ernannt. Gleich nach seiner Ankunft in Berlin erhielt er ein Lehramt an der Akademie der Künste. Friedrich I. schickte ihn nach Frankreich und Italien, wo er Gipsabdrücke antiker Skulpturen für die Akademie beschaffen sollte. Einige Werke von Michelangelo Buonarotti und Gian Lorenzo Bernini inspirierten ihn für seine späteren eigenen Werke.

Ende März 1698 übernahm Andreas Schlüter die Bauleitung für das Zeughaus Berlin. Hier hatte er großen Anteil als Bildhauer an der Ausgestaltung. Ihm wurde der Auftrag erteilt einen Turm zu bauen, den Münzturm, wobei es hier während dem Bau zu statischen Problemen gekommen war. Der fast fertige Münzturm musste abgetragen werden, da es gravierende Mängel gegeben hat. Es stellte sich heraus das der Untergrund für das fast 60 Meter hohe Bauwerk nicht geeignet war. Der Turm sollte bis auf eine Höhe von 94 Meter gebaut werden. Anderer Baumeister wie Johann Friedrich Eosanders von Göthe (1669-1728) nutzten dies um seinem Ruf zu schaden.

Für den König baut er ein Lustschloss im Ort Freienwalde. Dieses wurde auf sandigem Boden errichtet, das bei einem Unwetter und der Anwesenheit des Königs abgesackt war. Dies machte ihn beim König nun noch unbeliebter. In den Jahren 1711 und 1712 errichtet Andreas Schlüter ein Landhaus, die Villa Kamecke, für den Staatsminister und General-Postdirektor Ernst Bogislav von Kameke.

Nach dem Tod des Königs wurde er aus dem Hofdienst entlassen und reiste nach Russland. Hier trat er in die Dienste des Zaren Peter dem Großen. Andreas Schlüter verstarb 1714 in Sankt Petersburg.

 


Kenau

Der Film beruht auf der Geschichte von Kenau Simonsdochter Hasselaer (1526-1588), einer niederländischen Schiffsbauerin und Holzhändlerin, ihrem Widerstand während der Belagerung Haarlems durch die Spanier.

Kenau Simonsdochter Hasselaer soll eine Gruppe von 300 Frauen im Kampf gegen die Spanier geführt haben. Durch sie wurden die Feinde von der Stadtmauer ferngehalten. Die Frauen verteidigten die Mauer mit kochendem Wasser, brennendem Stroh und heißem Teer. Hierbei handelt es sich um eine Legende, man kann nicht genau sagen ob sie tatsächlich gekämpft hat. Zeitgenössische Berichte weisen darauf hin, dass während der Belagerung Haarlems nur Männer gegen die Spanier kämpften. Beweise für diese Frauenarmee gibt es nicht.

Die Belagerung Haarlems durch die Spanier begann am 3. Dezember 1572. Der König von Spanien, Philipp II. (1527-1598), entsandte die Armee um Haarlem einzunehmen. Es folgte ein blutiger Kampf. Es ist jene Zeit des Achtzigjährigen Krieges, des Spanisch-Niederländischen Krieges (1568-1648). Der spanische König entsandte 1567 den Herzog von Alba, Fernando Álvarez de Toledo (1507-1582) als Statthalter in die Niederlande.

Ihm und seinen Truppen war es gelungen die Aufstände zunächst zu unterdrücken. Ziel war es den unbotmäßigen Adel zu entmachten und eigene politische und religiöse Vorstellungen zu verwirklichen. So kommt es zum Blutrat, dem sogenannten Rat der Unruhen. Herzog von Alba ließ in den Jahren 1567 bis 1573 Tausende von Menschen hinrichten.

Aufständische wurden bestraft, die königliche Macht der Spanier gestärkt und das Steuersystem sollte zugunsten der Landesherren reformiert werden. Unter den Opfern waren auch viele holländische Edelleute. Der Herzog von Alba provozierte durch seine willkürlichen Aktionen immer wieder neue Aufstände der Niederländer. Das ganze Land setzte sich zur Wehr. Die Stadt Haarlem wurde ausgehungert, man ergab sich und die Garnison wurde massakriert.

Obwohl Haarlem von Stadtmauern umgeben war, die jedoch in einem schlechten zustand waren, gelang es der spanischen Armee die Stadt zu belagern. Haarlem konnte dem militärisch nichts entgegenstellen. Den Spaniern war es gelungen den Transport von Lebensmitteln vollständig zu unterbinden. Am 13. Juli 1577 gab Haarlem auf und kapitulierte. Es folgten zahlreiche Hinrichtungen.

Willem van Oranje, Wilhelm von Nassau-Dillenburg (1533-1584), hatte zwar eine 5.000 Mann starke Armee aufgestellt, um die Stadt Haarlem zu retten, doch diese wurde durch die Spanier zerschlagen. Willem van Oranje war ein Führer im Unabhängigkeitskrieg und wurde später als Statthalter ernannt, als 1581 die nördlichen Sieben Provinzen in der Akte van Verlatinge die Unabhängigkeit von Spanien erklärt wurden. Philipp II. wurde formell abgesetzt. Er setzte ein hohes Kopfgeld auf Wilhelm von Nassau-Dillenburg aus, dieser 1584 von Balthasar Gérard, einem Katholiken und Bewunderer Philipp II., ermordet wurde. Gérard versuchte daraufhin zu fliehen, wurde gefasst und am 14. Juli 1584 gevierteilt. Philipp II. erhob die Familie von Balthasar Gérard in den Adelsstand.

 


Menschen am Sonntag

Der deutsche Stummfilm führt uns in das Berlin Ende der 1920er Jahre. Junge Leute machen einen Film, so hieß es in einem Zeitungsartikel. Entstanden ist eine Sommergeschichte über das Lebensgefühl der Berliner, durchsetzt mit dokumentarischen Bildern der Stadt. Die fünf Hauptdarsteller standen das erste Mal vor einer Kamera. Als Laiendarsteller in diesem Film, gehen sie in ihrem realen Leben ihren gelernten Berufen nach. Gedreht wurde meist an Sonntagen.

– Taxifahrer Erwin – Erwin Splettstößer war als Taxifahrer tätig, als er erstmals in „Menschen am Sonntag“ vor einer Kamera stand. Dadurch fand er Gefallen an der Filmarbeit und wurde Darsteller, in den Filmen „Abschied“ (1930) und „Voruntersuchung“ (1931). Im Jahr 1931 kommt es zu einem tragischen Unglück, als er beim Schließen des Garagentores von seinem Taxi überrollt wird.

– Plattenverkäuferin Brigitte – Brigitte Borchert (1910-2011). Sie war von Hamburg nach Berlin gezogen. Ihre Kindheit hatte sie zeitweise in Afrika verbracht, wo ihr Vater als Arzt tätig war. In Berlin arbeitet sie in einem Schallplatten- und Grammophonladen. Während des Zweiten Weltkriegs kehrt sie nach Hamburg zurück. Hier verstarb sie am 7. August 2011 im Alter von 100 Jahren.

– Weinverkäufer Wolfgang – Wolfgang von Waltershausen (1900-1973). Er war ein Nachfahre von Georg Friedrich Sartorius (1765-1828), einem Historiker und Professor, der kurz vor seinem Tod das Schloss Waltershausen geerbt hatte. Dazu gehörten zudem Gutsländereien.

– Komparsin Christl – Christina Ehlers (1911-1960). Die Schauspielerin wurde in Berlin geboren. Eine Hauptrolle hatte sie in dem Märchenfilm „Frau Holle“. Nach der Machtergreifung Hitlers musste sie 1933 ihre Heimatstadt Berlin verlassen. Sie verstarb am 2. Februar 1960 in New Mexico.

– Mannequin Annie – Annie Schreyer. Über sie ist leider nichts bekannt.                                                                                             

Die Darsteller sind Laien, die zum Teil auf der Straße angesprochen wurden. Der Überraschungserfolg dieses Films, der im Winter 1929/30 fertiggestellt wurde, war zudem der Beginn der Karriere des Regisseurs Robert Siodmak (1900-1973). Auch andere Beteiligte an diesem Film wie; Edgar Ulmer (1904-1972), Fred Zinnemann (1907-1997), Kurt Siodmak (1902-2000) und dem Drehbuchautor Billie Wilder (1906-2002) machten später nach ihrer Emigration Weltkarrieren.                                                                                    
Die Fachpresse war von „Menschen am Sonntag“ begeistert. So schrieb der Film-Kurier; „Beifall von selten gehörtet Intensität, der die Mitwirkenden immer wieder vor die Leinwand holt“, oder die Deutsche Filmzeitung München; „Stürmisch applaudiert! Eine neue Zeit, eine Renaissance des Geschmacks.“ Der Stummfilm „Menschen am Sonntag“ wurde nach dem Zweiten Weltkrieg begeistert wiederentdeckt und zum Klassiker erhoben.     

 


Die Farbe des Horizonts

Der Film basiert auf der wahren Geschichte eines Paares, das im Jahr 1983 während einer Segeltour im Pazifischen Ozean, auf ihrem Weg von Tahiti nach Kalifornien in einen starken Sturm geraten ist.

Beide waren erfahrene Segler, die 23-jährige Tami Oldham Ashcraft und der 34-jährige Brite Richard Sharp, die gemeinsam im Jahr 1983 ihre Segeltour antraten. Vor ihnen lag eine Strecke von 6.500 Kilometern. Mit ihrer 13 Meter langen Yacht Hazana wollten sie von Tahiti nach San Diego, Kalifornien, segeln.

Am 10. Oktober 1983 kommt es zu einem heftigen Sturm, dem Hurricane Raymond, der Kategorie 4 mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 235 km/h. Der Sturm wütet zwei Tage und zeigt seine geballte Kraft, etwa 1.800 km südlich von San Diego. Selbst am vierten Tag erreicht Raymond noch enorme Windgeschwindigkeiten. Es war einer der stärksten beobachteten Stürme in dieser Region. An der Küste von Hawaii türmten sich bis zu fünf Meter hohe Wellen.

Das Paar hatte mit ihrer Yacht keine Chance unbeschadet diesen Sturm zu überstehen. Nach mehreren Stunden wacht Tami Oldham Ashcraft auf und sieht das Boot in Trümmern. Sie wurde während des Sturms bewusstlos und erinnert sich nur noch an die Schreie ihres Verlobten. Ihr Boot wurde zum Spielball der Natur. Sie wurde gegen die Wand geschleudert. Die Kabine hatte sich mit Wasser gefüllt und der Sturm hat über Deck fast alles zerstört. Ein Wunder das sich das Boot überhaupt noch über Wasser halten konnte.

Richard Sharp war über Bord gegangen und blieb verschollen. Sie ist nun auf sich allein gestellt und muss versuchen zu überleben. Ihr Überlebenswille und ihr Kampf sollen ganze 41 Tage dauern bis sie gerettet werden konnte. Sie musste irgendwie in Richtung Hawaii, die Insel Hilo ansteuern. Ein japanisches Forschungsschiff hat sie gefunden. Auch wenn dies eine traumatische Erfahrung für sie war, so fand sie Trost in dem sie ihre Geschichte niederschrieb. Ihr Buch „Red Sky in Mourning: A True Story of Love, Loss, and Survival at Sea“ wurde in acht Sprachen übersetzt und in 15 Ländern veröffentlicht.

Ein Freund des Paares hatte sie gefragt, ob sie die Yacht Hazana von Tahiti nach San Diego bringen würden. Obwohl dies eine Strecke von etwa 4.000 Meilen war, die längste die sie jemals vor sich hatten, waren beide zuversichtlich dies zu schaffen, schließlich hatten beide bereits Segelerfahrungen.

 


Kameradschaft

Das Drama Kameradschaft das unter dem Titel  La Tragédie de la mine in Frankreich zu sehen war, beruht auf wahren Ereignissen, dem Grubenunglück von Courrières am 10. März 1906 in der Stadt Courrières, im Norden Frankreichs. Der österreichische Filmregisseur Georg Wilhelm Papst (1885-1967) zeigt mit seinem Film die internationale Solidarität, die Unterstützung deutscher Bergleute.

Dieses Grubenunglück ist bis heute eines der größten Katastrophen in einem Bergwerk mit den meisten Todesopfern. 1.099 Menschen starben, darunter viele Kinder. Es ist der 10. März 1906 als etwa 1.800 Bergleute untertage in den drei Schächten Sainte-Barbe, Auguste Lavors und Lavaleresse arbeiteten. Die Bergleute befanden sich in einer Tiefe von circa 400 Meter um Steinkohle abzubauen.

Um 6.30 Uhr morgens kam es zu einer Kohlenstaubexplosion. Diese Explosion war so stark, so dass Schächte und Fördertürme beschädigt wurden. Was zu dieser Katastrophe geführt hat, konnte nicht geklärt werden. Erste Rettungsmaßnahmen wurden eingeleitet. Die Hilfskräfte waren völlig überfordert, solch ein Unglück mit diesem Ausmaß hatte es bislang nicht gegeben. Man musste Rettungstrupps von außerhalb anfordern.

Die Rettungsmaßnahmen kamen nur sehr schleppend voran. Viele der Bergleute waren noch immer eingeschlossen. Etwa 600 von ihnen konnten gerettet werden. Einige litten an einer Gasvergiftung und hatten schwere Verbrennungen. Obwohl es schon seit längerer Zeit bessere und vor allem sicherere Grubenlampen gab, wurden noch immer Grubenlampen mit einer offenen Flamme verwendet. Grund hierfür waren nur die höheren Kosten.

Noch 20 Tage nach dieser Explosion konnten Überlebende geborgen werden. Auch in Deutschland war man bereits über dieses Unglück informiert. Es gab Berichte in deutschen Zeitungen. Am 11. März 1906, einen Tag nach dieser Explosion, brachen Freiwillige auf um dort den Menschen zu helfen. Der Bergmeister Konrad Engel (1862-1912) hatte ein Trupp von 25 Mann zusammengestellt. Dies waren deutsche Bergleute aus den Zechen in Herne und Ückendorf. Ausgerüstet mit Atemgeräten suchten sie nach Überlebenden und bargen die Toten. Ein letzter Überlebender konnte am 4. April gerettet werden.

 


Hanussen

Der Film beruht auf dem Leben des österreichischen Wahrsagers Erik Jan Hanussen (1889-1933), einem Hellseher und Trickkünstler, der trotz seiner jüdischen Herkunft mit den Nationalsozialisten sympathisierte.

Erik Jan Hanussen wurde am 2. Juni 1889 als Hermann Steinschneider in Wien geboren. Bis in die zwanziger Jahre führte Hanussen ein bewegtes und abenteuerliches Leben. Seinen Lebensunterhalt verdiente er unter anderem als Zauberkünstler und Karussellbetreiber. In den zwanziger Jahren erlangte er Aufmerksamkeit. In Berlin etablierte er sich zu einem Varietékünstler. Zudem war er Illusionist, Verleger einer eigenen Zeitung und verdiente mit okkultistischen Beratungsgesprächen viel Geld. Dies ermöglichte ihm auch gesellschaftliche Kontakte zu knüpfen.

Noch als Kind in Wien brach er die Schule ab und lief von zu Hause weg. Er versuchte sich als Gesellschaftsreporter, trat in einem Zirkus als Kunstreiter und Geräteturner auf. Als 1914 der Erste Weltkrieg ausbricht, versucht er sich vor den gefährlichen Einsätzen zu schützen, indem er als Wahrsager agiert um den Zustand in der Heimat vorauszusagen. Während er im österreichisch-ungarischen Heer diente, bildete er Soldaten mit dem Umgang einer Wünschelrute aus.

1931 wurde Hanussen im tschechischen Leitmeritz des hundertfachen Betruges angeklagt. Der Prozess dauerte mehrere Monate und endete mit einem Freispruch. Später verschlug es ihn nach Berlin. Hier versuchte er sich als Zauberkünstler. Sein Geschäft mit übersinnlichen Fähigkeiten und dem Okkultismus war für ihn so erfolgreich, dass er sich eine Luxus-Yacht leisten konnte.

Erik Jan Hanussen suchte die Nähe zum Nationalsozialismus, dies obwohl er Jude war. In seinen Wahrsagungen und Zeitungen verkündete er den Aufstieg Adolf Hitlers. Seine aufsehenerregende Voraussage des Reichstagsbrandes wurde mit seinen sehr guten Kontakten zur SA-Führung erklärt. Dies bedeutet er hatte darüber bereits Informationen und hatte dies als Wahrsagung propagiert. Er war wohl zu sehr in die Machenschaften der nationalsozialistischen Machthaber involviert.

Die Nazis sahen dies als zu gefährlich und unbequem für ihre Vorhaben. Man wusste anfangs nicht das Hanussen Jude war. Dies kam erst 1933 ans Licht, als sein Sekretär und Manager Erich Juhn dies veröffentlichte. Seine Beziehungen zu hohen Naziführern nützten ihm nun nichts mehr. In der Nacht vom 24. auf den 25. März 1933 wurde Hanussen von einem SA-Kommando ermordet.

Erik Jan Hanussen galt als ein hervorragender Künstler. Auf der Bühne verblüffte nicht nur seine ungeheure Selbstsicherheit, er wusste die Menschen zu unterhalten. Selbst jene die ihn kritisierten, sogar öffentlich verbal angriffen, nutzte er für sich und konterte mit außerordentlicher Schlagfertigkeit. Er war nie politisch interessiert, sympathisierte jedoch mit den Nazis, aber nur um sich die Gunst der Machthaber zu sichern und seine Künste weiter ausüben zu können. Vor allem jedoch um seinen Ruhm zu genießen. Er galt als sehr intelligent, der die Sehnsüchte der Menschen bediente, ein Künstler, Magier und Entertainer.