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Tore tanzt

Die Regisseurin des Films ist auf einen Artikel aufmerksam geworden. Es handelt sich um den Artikel; Der Fall Thies F. der versklavt, zu Tode gequält und die Leiche einfach entsorgt wurde.

Thies F. wird 1973 in Dresden geboren. Drei Jahre später lassen sich die Eltern scheiden. Die Scheidung hatte er gut verkraftet, man beschrieb ihn als ein Mama-Kind. Seine Mutter zieht mit ihm nach Kassel. Als er 14 Jahre alt ist hilft er bei einer Hausgeburt mit, seine kleine Schwester wird geboren. Einen kleinen Bruder hatte er bereits.

Als er 21 Jahre alt ist beschließt er zu Hause auszuziehen. Er hängt an seiner Familie und ist dort immer willkommen. Trotz der Geborgenheit die er zu Hause fand sucht der leicht geistig behinderte Thies zusätzlichen Anschluss, den er jedoch bei falschen Freunden findet. Seine Mutter sagte über ihn; „Er hatte ein großes Herz, war immer großzügig“. Die Bindung zwischen Sohn und Mutter bleibt innig. Er verlässt sein Zuhause und schlägt sich mit Gelegenheitsjobs durch. Er hatte selbst nicht viel Geld was er sich verdiente, hatte einem anderen trotzdem etwas davon geliehen. Es kommt zu einem Punkt das seine Mutter die Miete der Wohnung nicht mehr zahlen kann. Thies schämte sich und es war ihm peinlich.

Über einen Bekannten lernt Thies ein Paar namens Werner und Michaela H. kennen, die in Grebenstein-Udenhausen im Landkreis Kassel wohnen und ihm anbieten das sie ihn bei sich aufnehmen würden. Thies findet das toll, er sagt zu. Zurück zu seiner Mutter möchte er auch nicht, mittlerweile ist er 28 Jahre alt und möchte auf eigenen Beinen stehen.
Es kommt jedoch ganz anders als er sich erhofft hatte, es folgen die letzten und traurigsten Monate seines Lebens. Ihm war nicht bewusst, besser gesagt er konnte es nicht wissen, dass Werner H. zu Hause als gewalttätiger Patriarch herrscht, er seine Stieftochter verprügelt und vergewaltigt und seine 38-jährige Ehefrau ständig traktierte.

Das Ehepaar hat ein kleines Grundstück in einer Kleingartenanlage in Kassel-Hegelsberg. Hier verbringt die Familie einen Großteil ihrer Zeit. Thies musste in einem Kinderzelt neben der Gartenlaube schlafen, selbst im Winter und ohne Decke. Er bekommt kaum etwas zu essen, muss seinen Urin trinken. Immer wieder schlägt Werner H. wie von Sinnen auf ihn ein, demütigt und malträtiert ihn. Thies vertraut sich niemandem an, er wehrt sich nicht, er pariert einfach und lässt alles über sich ergehen. Man sieht Thies als gute Einnahmequelle, seine monatliche Arbeitlosenhilfe in Höhe von 535 Euro kassiert die Familie. Bei anderen Anschaffungen oder einer Autoreparatur wird Thies einfach auf den Kasseler Homosexuellen-Strich am Weinberg geschickt. Die Nachbarn schöpften zwar Verdacht aber niemand hat ihm geholfen.

Im Februar 2003 erleidet er einen Zusammenbruch und kommt in ein Krankenhaus. Hier wurden Rippenbrüche, Misshandlungen und eine lebensbedrohliche Verletzung der Lunge festgestellt. Er vertraute sich einer Sozialarbeiterin an und erzählte von dieser Familie. Somit wird er in eine psychiatrische Abteilung überwiesen. Das Ehepaar H. besucht ihn und nimmt ihn wieder mit. Sein Körper ist von Hämatomen übersät und er ist völlig abgemagert. Kontakt zu seiner Mutter hatte er noch, sie telefonierten oft und manchmal besuchte er sie. Er lud sie und seine Geschwister sogar in sein neues Zuhause ein. Keiner konnte ahnen was hier vorsich ging. Die Mutter bemerkte die vielen Verletzungen, er sagte es sei nicht so schlimm. Im April 2003 sieht sie ihn das letzte Mal. „Es kam mir vor, als habe er eine Gehirnwäsche bekommen.“ Sie lässt nicht locker, möchte wissen was hier los ist. Die Polizei nimmt sie nicht ernst, diese sagte ihr Sohn wäre doch schon fast 30.

Am 6. Juli 2003 wird Thies‘ Kopf mit einem Holzschemel zertrümmert. Fast zwei Tage lässt man ihn auf der Couch liegen. Ein befreundetes Paar bittet man um Hilfe, um ihn loszuwerden. Man schneidet ihm noch ein Ohr ab. Jennifer K. sagte später vor Gericht; „Er hatte Tränen in den Augen und sagte, dass er noch einmal seine Mama sehen wollte.“ Während der Fahrt erliegt er seinen Verletzungen. Den Leichnam entsorgen sie in der Nähe von Eisenach. Man findet die Leiche und alles kommt raus. Seine Mutter erfährt nach zweieinhalb Jahren das ihr Sohn tot ist. Nicht nachvollziehbar sind die geringen Haftstrafen. Jennifer K. hatte es der Polizei gemeldet, blieb straffrei. Alexander E. bekam zwei Jahre auf Bewährung, Werner H. bekommt 8 Jahre und 3 Monate und seine Frau 4 Jahre Haft.

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